Das heutige Heranwachsen in mediatisierten Lebenswelten ist nicht einfach. Meine erste interdisziplinäre Tagung mit diesem aktuellen Thema.

Alles unter Kontrolle?

Interdisziplinäre Zugänge zum Aufwachsen in der digitalen Gesellschaft

0. Interdisziplinäre Tagung 2014

10. Interdisziplinäre Tagung 2014

Das war das große Thema der 10. Interdisziplinären Tagung 2014  in der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien in München. Zum richtigen Zeitpunkt fand ich diese Tagung im Netz, da ich momentan ständig auf der Suche nach Informationen über Medienpädagogik  bin. Ein sehr heißes Thema! Durch die Digitalisierung fast aller Lebensbereiche brauchen Kinder und Jugendliche eine Unterstützung, damit sie souverän und selbstbestimmt mit diesen Medien umgehen.

Doch wie können wir sie unterstützen?

Die heutigen Redner haben sich darüber Gedanken gemacht.

Die Berechnung der Welt? Big Data im Zeitalter der Digitalisierung

Prof. Dr. Mainzer von der TU München

Sein Einblick in die große Welt der Daten war sehr erschreckend. Diese Unmengen an Daten die von Unternehmen und Regierungen erhoben werden, keiner weiß mehr wofür sie eigentlich genutzt werden. Möchte ich in einer Smart City leben? Nein! Vorteil hin oder her! Die Vernetzung verschiedener komplexer Daten kann in guten Händen wahrscheinlich sehr positiv sein. Aber wenn ein Krankenhaus nicht nur Zugriff auf Krankenakten-Daten hat, sondern auch Zugriff auf Kommunikationssysteme und Daten aus der Verkehrsüberwachung, dann geht das eindeutig zu weit.

Werden diese gewaltigen Datenmassen mit einem Algorithmus bearbeitet,  erkenne ich Trends, kann Profile anlegen und kann zukünftige Prognosen ausstellen.

Selbst das Bayerische Landeskriminalamt bedient sich einiger Daten, mit dem es persönliche Profile von Bürgern perfekt erstellen kann. Straftaten können nun vorher gesagt werden. (Precriming)

Hier sind ethische und rechtliche Grenzen eindeutig überschritten. Jugendliche verlieren den Glauben an den Staat, der sie beschützen soll.

Sehr, sehr interessanter Vortrag, doch stand Prof. Dr. Mainzer für eine Diskussion nicht mehr zur Verfügung, er musste leider zu einer anderen Veranstaltung.

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Mainzer vertritt die Big Data-These,: „Am Ende geht es um eine Stärkung unserer Urteilskraft, d.h. die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen, das „Besondere“, wie es bei Kant heißt mit dem „Allgemeinen“ zu verbinden, in diesem Fall die Datenflut mit Reflexion, Theorie und Gesetzen, damit eine immer komplexer werdende und von Automatisierung beherrschte Welt uns nicht aus dem Ruder läuft.“ Das „Internet der Dinge“ wird uns noch öfter zum Staunen bringen. Welche Rückschlüsse können anhand von einfachen Daten getroffen werden? Wer entscheidet über gute und böse Datenverwertung?

Bedingungen des Aufwachsens im Spannungsfeld von Kontrolle und Transparenz

Zentrale Herausforderung für die Medienpädagogik

Dr. Ulrike Wagner vom JFF

Sie geht zwei Fragen nach. „Was heißt souveränes Handeln heutzutage mit und in diesen Medien und was sind die Konsequenzen daraus die wir für die Medienpädagogik ziehen?“ Jugendliche müssen während ihres Auswachsens verschiedene Spanunngsfelder der digitalen Gesellschaft durchqueren. Können sie dies wirklich noch selbstbestimmt unter diesen Bedingungen. Frau Wagner belegt durch verschiedene Studien, dass diese Medienwelt neben den vielen Potentialen, wie z.B. Unterhaltung und Information, Austausch und Vernetzung, Kooperation und Kollaboration, Identitätsarbeit und Partizipation bei vielen Jugendlichen zu Überforderung und Problemlagen kommt.  Es besteht also ein hoher Bedarf an Orientierung und das generationsübergreifend. Diesen Herausforderungen muss sich die Medienpädagogik stellen. Hierbei darf nicht nur der Jugendliche alleine gesehen werden, sondern seine Sozialräume, bestehend aus Gesellschaft und Medien. Konsequenzen für die Medienpädagogik:

·      Transparente Bedingungen schaffen,

·      Vernetzung fördern

·      Diskurse initiieren

·      Reflexion über Inhalte und Infrastrukturen

·      Technologien forcieren.

Wagners Vorschlag, einen Medienführerschein einzuführen finde ich eine sehr gute Idee!!

Prof. Dr. Filipovic Hochschule für Philosophie München

Ging der Frage nach Autonomie im digitalen Zeitalter nach.  Autonomie bei solchen Überwachungsstrukturen, die Prof. Dr. Mainzer ansprach?  Gibt es eigentlich noch das Recht auf verbergen? Ist es dahin? Wir leben in Vorhersagestrukturen und ungewollt werden aus gewöhnlichen Daten, Profile von Menschen erstellt. Immense Machtstrukturen ergeben sich durch Big-Data. Nach Prof. Dr. Filipovic ist Freiheit fraglich in dieser Überwachung.

Mit seinen Überlegungen zeichnet er ein wirkliches Horrorszenario, worüber wir alle nachdenken sollten. Auch kleine unscheinbare Daten ergeben durch die Erhebungsmasse eine enorme Aussagekraft über eine Person.

Dr. Kreutzer i.e. Büro für informationsrechtliche Expertise

Medienkompetenz und digitale Rechtsthemen gehören zusammen, doch diese Rechts-Materie ist bisweilen so komplex und speziell. Brauchen wir eine Regelungsänderung, eine Vereinfachung? Würde man sämtliche Nutzungsbedingungen immer lesen, ergebe es Lesestoff von 8 Tagen im Jahr.

Klaus Lutz vom Medienzentrum Rarabol Nürnberg

Sein Vortrag beschäftigte sich mit den vielen Daten, die die exzessive Handynutzung der Jugendlichen mitsichbringt. Ein Gläserner Mensch?

Jugendliche brauchen Medien zur Bewältigung ihrer Entwicklungsaufgaben. Mediennutzung ist nach seiner Auffassung nur begrenzt steuerbar. Sollen wir also Grenzen setzen? Durch üben, üben, üben können sie diese Grenzen selbst herausfinden. Ein kreativer Umgang mit den Medien ist daher sehr wichtig. Sein Ratschlag an die Jugendlichen. So sollte man Sexting, ein Vertrauensbeweis, auf keinen Fall verbieten. Sondern eher die Ratschläge, wie Zimmer aufräumen, sorge für gutes Licht und Gesicht nicht zeigen, mit auf den Weg geben. Für ihn gibt es zwei wichtige Verhaltens-Pfeiler, „Respektiere andere!“und „Pass auf dich auf!“

Dabei spielt bei Aktionen wie z.B. bei Sexting die Frage, „Hältst du das aus?“ eine große Rolle.  Beide Pfeiler verbindet Vertrauen.

Wichtig in der Medienpädagogik: Ratschläge und keine Verbote!!!

Dies gilt auch für juristische Sachen, wobei ich hier nicht mehr seiner Meinung bin. Zugegeben, dieses Gebiet ist für einen Nichtjuristen extrem, aber auch hier kann ich Verhaltensregeln oder Empfehlungen in Hinsicht Urheber- oder Persönlichkeitsrechte geben. Das erscheint mir auf jeden Fall besser, als so zutun, als gäbe es keine Regeln in der Medienwelt.

Wissen teilen | Interdisziplinarität als Realutopie

Prof. Dr. Theunert

Die 10. Interdisziplinäre Tagung endete mit einer Zusammenfassung der Tagung sowie dem Rückblick auf die letzten 9  der letzten Jahre.

Eine sehr interessante und informative Tagung zum Thema Medienpädagogik, da sie die verschieden angrenzenden Bereiche der Medienpädagogik sehr gut beleuchtet hat. „Voneinander lernen“ und „Wissen teilen“ stand hier eindeutig im Vordergrund.

http://www.id-tagung.de/

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